Weitwinkel mit dem iPhone 12 und Argentum Camera

Über die Möglichkeit und Unmöglichkeiten des iPhone haben wir an anderer Stelle bereits geschrieben. Und dabei felsenfest behauptet, dass dieses Gerät zwar tolle Photos macht, aber einer echten Kamera letztlich unterlegen ist. Wegen Blende, zu kleinem Chip und weil es immer schwer zu ertragen ist, wenn ein Handy (ein HANDY!) angeblich besser fotografiert als Profigerät. Im Vergleich mit Amateurkameras wie Nikon oder Canon mag das noch einleuchten, aber spätestens bei Sonys und Leilas verstehen wir keinen Spaß.

Aber: Die Blaue Maschine erkennt, wenn sie Fehler macht. Oder, wie wir Kosmopoliten sagen: We stand corrected. Zumindest dann, wenn die richtige App ins Spiel kommt, und das ist Argentum Camera, kombiniert mit dem iPhone 12 und dessen Weitwinkelkamera. Dann kann man mit einer Brennweite von 13mm auch Reportage machen.

 

Argentum

Wir haben die App bereits an andere Stelle gelobt, und wiederholen dies (unbezahlt) gerne nochmals. Argentum Camera ist eine Schwarz-Weiß-App für das iPhone, die jedoch mehr tut als „nur“ schwarz-weiß abzubilden bzw. zu simulieren. Hinterlegt sind – als bezahlbare Filter – die „Looks“ einiger ikonischer Fotofragen, genauer Ansel Adams, Henri Cartier-Bresson, Irving Penn, Garry Winogrand, Yousuf Karsh and Dorothea Lange. Adams, Winograd und Dorothea Lange dürften zu den Bekannteren zählen, wer sich ein wenig mit Fotografiegeschichte und Theorie befasst hat, sollte alle Namen kennen. Ansel Adams ist berühmt durch seine Naturaufnahmen, etwa von Yosemite, Dorothea Langes Bild der Wanderarbeiter-Mutter ist ebenfalls weltberühmt.

Neben den eigentlichen Filtern erlaubt Argentum weitere Anpassungen: Dazu gehört eine Belichtungskorrektur, die bis 3.0 Blendenstufen nach oben oder unter verändert werden kann. Die App speichert in .heic, .jpg und .tiff und bietet die Option, neben dem Schwarz-Weiß-Foto auch das originale Farbbild zu behalten. Die Möglichkeit, das Bild in RAW abzuspeichern, klingt toll, funktioniert (noch) allerdings nur bei der „normalen“ Brennweites des iPhones, und nicht beim Ultraweitwinkel. Aber das kommt vielleicht ja noch. Nebenbei bemerkt: Der Support der App ist super, die Antwortzeiten sind sensationell.

 

In der Praxis

Wenn man sich nicht entweder auf die Fotografie mit Weitwinkel spezialisiert hat, und wer hat das schon, oder ein 14 – 24mm 2.8 von Sony oder Sigma sein eigen nennt UND das auch noch zufällig auf der Kamera hat, wird es schwierig, ein weitwinkliges Motiv aus dem Handgelenk einzufangen, das zufällig (die Betonung liegt hier auf „zufällig“) des Weges kommt. Bis die Kamera ausgepackt ist und ggf. auch noch das Objektiv gewechselt ist, ist der Moment vorbei. Oder aber das Motiv ist verschreckt, denn die Weitwinkel-Zooms sind halt dann doch ziemliche Kracher. Und ja, wir wissen, dass es auch weniger auffällige Weitwinkel-Objektive gibt, aber – siehe oben: Wer hat das schon immer auf der Kamera?

Nun gelten 13mm (die Brennweite des Ultra-Weitwinkel des iPhones 12) auch aus anderen Gründen nicht gerade als Immer-Drauf-Brennweite. Schon gar nicht für die sogenannte Street-Fotografie, was immer das auch sein mag. Dass man mit der Brennweite durchaus auch Reportage machen kann, zeigen wir hier. Aber vorher ein  bisschen Natur. Für Natur- und Architektur ist Weitwinkel immer gut, und in Schwarz-Weiß erst recht.

High im Chiemgau. Argentum Camera und die Blaue Maschine

High im Chiemgau. Aus der Hüfte in die Sonne, mit dem Adams-Filter. Leider oben nicht aufgepasst.

 

Noch mehr Horizont. Argentum Camera und die Blaue Maschine

Der Klassiker: Die Straße und die Wolken. Der Adams-Filter sorgt für Drama, Baby!

 

Under the bridge. Argentum Camera und die Blaue Maschine

Immer wieder gerne. Gerade Linien unter der Brücke.

Reportage mit Argentum und Weitwinkel

Es geht aber eben nicht nur der Blick auf ein Gebäude oder die Straße, die unter dramatischen Wolken zum Horizont führt. Weitwinkel funktioniert, richtig eingesetzt, auch in der Reportage. Dies bedeutet aufgrund des extremen Blickfelds von 120 Grad natürlich, mitten drin zu sein. Wer am Rand steht, vergibt sich mit dieser Brennweite die Chance auf interessante Blickwinkel und aufregende Perspektiven. Dass man im Zweifelsfall auch den Detail-Ausschnitt hercroppen kann, zeigt das letzte Beispiel vom Fronleichnahmfest in St. Gilden in Österreich.

Warten auf die Abfahrt: Argentum Camera und die Blaue Maschine

Ariel wartet auf die Abfahrt…

Fronleichnam in St. Gilden. Argentum Camera und die Blaue Maschine

Ein nicht so spannender Musikzug gewinnt an Spannung und Dramatik.

Fronleichnam in St. Gilden. Argentum Camera und die Blaue Maschine

Der gleiche Umzug, einige Sekunden später.

Details in St. Gilden. Argentum Camera und die Blaue Maschine

Und einer der Schützen im Crop.

Und das ganze noch ein wenig aufgehübscht mit „Series“ und „Squareready“

Entgegen unseren ersten Behauptungen postet die Blaue Maschine auf ihrem Instagram-Account mittlerweile auch iPhone-Bilder. Wer auf diesem Kanal 16:9-Aufnahmen veröffentlichen will, landet aber leider immer im quadratischen Insta-Format oder aber bei einem umschönen Balken oder- und unterhalb des Bildes. Dem Kollegen Alfonso Saucedo (KUDOS!) aus Los Angeles verdanke ich den Hinweis auf zwei kleine Apps, mit denen man recht fix die Bilder so einrahmen kann, dass sie hübsch rüberkommen und im Feed auch ein wenig Eindruck machen. 

Mit Squareready fassen Sie das Bild in einen weißen Rahmen, und speichern es in einem Insta-tauglichen Format ab. Nachdem die extremen Weitwinkelaufnahmen auf dem verhältnismäßig kleinen Screen des Handys viel verlieren, lässt sich das Bild mit Series in mehrere, nahtlos aneinandergereihte Frames fassen. Damit bieten Sie Ihren Followern sowohl ein Einzelbild als auch ein Set für die Detail-Ansichten.     

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